Ausnahmeregelungen

Abfallentsorgung in Moskau

In der russischen Hauptstadt wurde der Start der Abfallreform auf das Jahr 2022 verschoben. Trotzdem bereiten sich die Entsorger bereits in großer Eile auf die anstehenden Veränderungen vor.

Erste Ansätze einer Abfalltrennung in Moskau: Ein Container ist für Wertstoffe, der andere für Restmüll

In Moskau werden jährlich 24,1 Millionen Kubikmeter Abfall produziert. Zusammen mit dem Moskauer Umland (27,5 Millionen Kubikmeter) ist die russische Hauptstadt damit der mit Abstand größte Müllproduzent landesweit. Trotzdem wurde ausgerechnet in Moskau der Start der Reform verschoben.

Fünf Unternehmen teilen sich die lukrative Entsorgung Moskaus: Laut der Wirtschaftszeitung RBK erhält Hartyia pro Jahr umgerechnet mehr als 600 Millionen Euro für die Abfallbeseitigung im Nordosten und Osten Moskaus, MKM-Logistika gut 570 Millionen Euro für den Westen und Südwesten der Hauptstadt, Ekolain 370 Millionen Euro für die Entsorgung im Zentrum und im Norden Moskaus, MSK-NT mehr als 300 Millionen für den Südwesten und den Stadtbezirk Selenograd und Speztrans immerhin noch 180 Millionen Euro für die Abfallbeseitigung im Nordwesten. Alle Unternehmen sind mit langfristigen Verträgen ausgestattet.

Aufteilung Moskaus durch die Entsorger und die jeweiligen Verträge (Quelle: RBK)

Die Müllentsorgung funktioniert in Moskau dabei noch sehr „traditionell“: Die meisten Hochhäuser sind mit einem Müllschlucker ausgestattet, in den die Bewohner alles hineinwerfen, was reinpasst. Unten fällt die „Melange“ dann unsortiert in einen Container, der dann von den entsprechenden Unternehmen geleert wird. Der Abfall wird dann zumeist auf Deponien – die teilweise weit entfernt sind – verbracht und dort gelagert. Zwei Müllverbrennungsanlagen gibt es in Moskau. Die Vorsortierung ist selbst nach Angaben der Betreiber sehr gering und liegt unter zehn Prozent.

Wer selbst seinen Abfall vorsortieren und Wertstoffe abgeben möchte, muss weit laufen. Für die Entgegennahme von Papier, Glas und Altmetall gibt es nicht einmal in jedem Stadtbezirk Annahmestellen. Immerhin ist es nun in vielen Einkaufszentren möglich, Batterien abzugeben.

Zudem bringen sich die Entsorger inzwischen verstärkt in Position für den Start der Reform in Moskau. So stehen inzwischen vielerorts an den Hauseingängen bereits Container für die getrennte Sammlung von Wertstoffen und Restmüll. Für den Biomüll ist bisher noch keine getrennte Tonne vorgesehen. Zudem bleibt das Schicksal der Müllschlucker in den Hochhäusern ungeklärt. Ein generelles Verbot soll es derzeitigen Planungen nach nicht geben, was wohl dazu führen würde, dass die Bewohner weiterhin nicht trennen.

Abfallentsorgung in St. Petersburg

St. Petersburg hat als einer von drei Standorten in Russland einen Aufschub beim Start der Abfallreform bekommen. Dabei sind die Umwelt- und Müllprobleme in der Millionenstadt gewaltig. Neben den Haushalten trägt auch der Hafen dazu bei.

So soll die Müllabfuhr in St. Petersburg künftig aussehen (Foto: MBPO-2)

11,1 Millionen Kubikmeter Haushaltsmüll werden in St. Petersburg pro Jahr generiert. Damit liegt die Stadt auf Rang sechs im Müllrating der russischen Regionen. Hinzu kommen noch etwa zehn Millionen Kubikmeter an Industrieabfällen. Diese vergiften Boden, Wasser und Luft gewaltig. Nach Angaben des russischen Umweltministeriums sind 14,4 Prozent des gesamten Untergrunds in der Newa-Metropole mit Blei belastet. Auch die Luftverschmutzung liegt stellenweise weit über der Norm.

Die rund 20 Deponien in und um St. Petersburg sind ebenfalls hoffnungslos überlastet. Grundproblem ist die fehlende Sortierung der Abfälle. Die seit langem für die Entsorgung zuständige „Fabrik zur mechanisierten Verarbeitung von Haushaltsabfällen“, auf russisch kurz MBPO-2, wurde zum regionalen Operator ernannt, der Auftragswert liegt bei umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro. Der Startschuss für die Reform wurde allerdings auf 2022 verschoben, da es nicht gelang, rechtzeitig mit allen Wohnungsgesellschaften Entsorgungsverträge abzuschließen.

Ausbau der Verarbeitungskapazitäten geplant

MBPO-2 hat immerhin zwei Zechen zur Sortierung und Verarbeitung von Abfällen, Dort werden unter anderem organische Abfälle kompostiert. Doch bei der anfallenden Abfallmenge reichen die Kapazitäten nicht aus. Das Unternehmen will daher seine derzeitigen Verarbeitungskapazitäten verfünffachen auf etwa zwei Millionen Tonnen pro Jahr. MBPO-2 plant eigenen Angaben nach dafür Investitionen von umgerechnet knapp 300 Millionen Euro.

In der Stadtverwaltung laufen derzeit Verhandlungen über die Bereitstellung von vier Standorten für den Bau von Recyclingzentren, neun weitere Standorte sind für den Bau von Sortieranlagen im Gespräch.

Zudem sollen in St. Petersburg künftig auch mehrere Müllcontainer für die Trennung der Abfälle aufgestellt werden. In der Vergangenheit sind solche Initiativen allerdings daran gescheitert, dass die Bürger ihren Müll trotzdem ungetrennt in die Container entleerten. Immerhin in der Stadtverwaltung herrscht Optimismus: Bis 2025, so heißt es, sollen 69 Prozent der Abfälle verarbeitet werden.