Umweltprobleme in Russland

Russland ist riesig. Riesig sind auch die ökologischen Probleme des Landes. Veraltete Industrieanlagen, marode Infrastruktur, Raubbau an der Natur und eine etablierte Wegwerfkultur gefährden Umwelt und Gesundheit der Menschen in Russland.

Die Zunahme des Abfallaufkommens ist ein wichtiger Faktor bei der Umweltverschmutzung in Russland.

Alle Jahre wieder brennen Millionen Hektar Wald in Russland. Bei den Bränden im Sommer 2019 wurden nach Schätzungen von Greenpeace in Sibirien rund fünf Millionen Hektar Wald zerstört, die gesamte Brandfläche belief sich auf 15 Millionen Hektar. Die Schätzungen über die Menge freigesetzten Kohlendioxids gehen dabei zwar mit Angaben zwischen 82 und 166 Millionen Tonnen weit auseinander. Die Folgen waren jedoch noch in weiter Entfernung zu spüren: So hatten zeitweise noch die großen Ural-Metropolen Jekaterinburg und Tscheljabinsk, Tausende Kilometer vom Brandherd entfernt, mit Smog zu kämpfen.

Die Luftverschmutzung ist ein generelles Problem im Land. Industrieabgase werden vielerorts ungefiltert in die Atmosphäre geblasen. Städte wie Norilsk und Dserschinsk tauchen regelmäßig in den Top-10 der am meisten verschmutzten Städte weltweit auf. Die Auswirkungen sind fatal: Die Lebenserwartung hier ist wesentlich geringer als andernorts.

Müllberge in Russland wachsen

Ein weiteres Problem: Russland versinkt in einem Müllberg. Seit Jahrzehnten ist der Umgang mit Abfällen durch Achtlosigkeit gekennzeichnet. Eine echte Mülltrennung hat es im Land ohnehin nicht gegeben. Zu Sowjetzeiten galt es als Privileg, einen Müllschacht im Plattenbau zu haben. Inzwischen sind sie zum großen Kopfschmerz der Bewohner geworden, verbreiten Gestank und locken Ungeziefer und Ratten an. Immerhin wurden in der Sowjetunion fleißig Altpapier, Flaschen, Schrott und teilweise Kleidung „für den Aufbau des Sozialismus“ gesammelt.

Mit dem Ende des Sozialismus brach auch das Annahmesystem zusammen. Durch ein neues System ersetzt wurde es nicht. Stattdessen wuchs das Abfallaufkommen durch die „Errungenschaften der Zivilisation“: Verpackungen, Plastik-Einkaufstüten, Batterien Wegwerf-Spielzeuge und vieles mehr landet Tag für Tag im Müllschlucker. Inzwischen produziert Russland jährlich 70 Millionen Tonnen Haushaltsmüll. Verarbeitet werden aber nur zwei bis drei Prozent.

Steigerung der Verarbeitung fester Haushaltsabfälle am Gesamtaufkommen (in Prozent)

Von derzeit drei Prozent soll die Verarbeitung bis 2024 auf 60 Prozent steigen (Quelle: static.government.ru)

Der Rest wird gelagert. Die Müllhalden – sowohl offizielle, als auch wilde – wachsen daher mit rasanter Geschwindigkeit in die Höhe und rufen besonders bei den Anwohnern Unmut hervor. Tatsächlich sind die Folgen der Abfalllagerung gravierend: Die Böden werden verseucht, selbst auf ehemaligen Halden wächst kaum etwas.

Die Ablagerungen dringen zudem ins Grundwasser ein. Untersuchungen zeigen: Der Gehalt von Phenol im Grundwasser übersteigt bei vielen Deponien die Norm um das 900-fache, bei gefährlichen Metallen wie Quecksilber, Blei und Mangan um mehr als das 3000-fache.

Deponiegas, entstanden durch die Zersetzung organischer Inhaltsstoffe des Mülls oder durch regelmäßig entstehende Brände auf den Deponien, verbreitet sich in der Luft und hat oft schwere gesundheitliche Schäden für die Mitarbeiter der Deponie und Anwohner der umliegenden Ortschaften zur Folge.