Marktstruktur

Bisher werden in Russland weniger als zehn Prozent der Haushaltsabfälle verarbeitet. Dabei gibt es bereits eine Reihe von Unternehmen, die in der Branche aktiv sind. Paradox: Viele von ihnen klagen über zuwenig Rohstoffe.

Plastikflaschen, Tetra-Paks und Konserven verrotten auf den russischen Deponien, während Recyclingbetriebe wegen der bislang fehlenden Mülltrennung wenig Rohstoffe haben.

Die größte und einflussreichste Interessenvertretung der Branche ist die Assoziation „Tschistaja Strana“ („Sauberes Land“). Ihr gehören derzeit zwar nur 55 Mitglieder an. Aber diese repräsentieren 45 Regionen – von Kaliningrad bis Kamtschatka – und entsorgen zugleich mehr als die Hälfte der in Russland produzierten Abfallmenge.

Nach Schätzung der Umweltbewegung „Rasdelny Sbor“ (in etwa: „Mülltrennung“) gibt es in Russland rund 2.500 Abfall verarbeitende Betriebe. Das Problem ist, dass es kein landesweites System zur getrennten Sammlung von Recyclingmaterial gibt. Und so ist fast allen Unternehmen gemein ist, dass sie nicht genug Lieferungen von Sekundärrohstoffen bekommen, um ihre Kapazitäten auszulasten.

Viele Kapazitäten wegen fehlender Mülltrennung ungenutzt

Allein im Gebiet Moskau sind nach Angaben des regionalen Umweltministeriums 432 Unternehmen in der Abfallverarbeitung tätig. So gibt es sechs größere Fabriken zur Verarbeitung von Papier und Karton. Die Gesamtkapazität beläuft sich auf 90.000 Tonnen im Jahr, die Auslastung auf 66 Prozent. Bei der Metallverarbeitung haben die drei größten Akteure sogar Kapazitäten von 460.000 Tonnen pro Jahr, sind aber nur zu 33 Prozent ausgelastet.

Besonders beklagenswert ist die Lage bei der Glasverarbeitung: Im Gebiet Moskau gibt es Unternehmen, die pro Jahr immerhin 400.000 Tonnen verarbeiten könnten. Sie sind aber nur zu zehn bis 15 Prozent ausgelastet. Bei der Polymerverarbeitung sieht es nur geringfügig besser aus: Von 153.500 Tonnen Kapazität werden nur 22 Prozent genutzt. Bei der Reifenverarbeitung sind es immerhin 30 Prozent der insgesamt 175.000 Tonnen Verarbeitungskapazität.

Russlandweit reichen aber auch die vorhandenen Verarbeitungskapazitäten bei weitem nicht aus. Größere Fabriken gibt es lediglich vereinzelt. So wie im sibirischen Nowokusnetzk, wo es seit 2008 eine Sortier- und Verarbeitungsanlage gibt und Polymere, Papier, Karton, Glas und Metalle in bescheidenem Umfang (sechs Prozent der angelieferten 400.000 Tonnen Abfall) recycelt werden. In Krasnojarsk lief von 2012 bis 2015 eine Fabrik, deren Betreiber gar eine Verarbeitungskapazität von 730.000 Tonnen angegeben hatten. Wie sich später herausstellte, wurde der Großteil allerdings einfach vergraben, die Fabrik wegen Umweltverstößen geschlossen.

In Kursk ging 2015 eine Fabrik mit einer Verarbeitungskapazität von 200.000 Tonnen Abfall in Betrieb. Angaben der Betreiber nach verringert sie die Abfallmenge um 40 Prozent. Ähnliche Zahlen präsentiert die 2014 in Dienst gestellte Müllsortieranlage in Orenburg. 40 Prozent der 250.000 ankommenden Abfälle sollen dort wiederverarbeitet werden.