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Chancen für deutsche Unternehmen

Investieren in Russland

Der russische Markt bietet große Chancen, er ist allerdings auch mit einigen Risiken verbunden. Zwar hat sich Russland im Doing-Business-Report der Weltbank zuletzt stetig nach oben bewegt, doch es gibt immer wieder – nicht nur – politisches Störfeuer.

Der russische Markt entwickelt sich dynamisch, Neueinsteiger müssen aber auch Risiken einkalkulieren. (Foto: AHK)

Russlands größte Schwierigkeit sind zweifellos die Sanktionen. Die im Zuge der Krim- und Ukrainekrise verhängten Strafmaßnahmen des Westens, aber auch die russischen Gegenmaßnahmen – wie das Embargo für westliche Lebensmittel – haben die russische Wirtschaft schwer getroffen. Der Rubel ist abgestürzt, die Inflation nach oben geschnellt. Mit hohen Leitzinsen versuchte die Zentralbank die Wogen zu glätten und würgte nebenbei das schwache Wirtschaftswachstum weiter ab. Kaufkraft und Konsumlust der Russen haben in den vergangenen fünf Jahren rapide abgenommen.

Größtes Problem an den Sanktionen ist allerdings die Unsicherheit, die sie verursachen. Denn die Spirale scheint sich stetig weiter zu drehen und bedroht auch internationale Projekte. Was heute noch erlaubt ist, kann morgen schon verboten sein. Nicht immer sind rationale Erklärungsmuster für eine neue Sanktionswelle zu finden. Das verunsichert Investoren naturgemäß.

Russland hat aber auch selbst einiges getan, um das Investitionsklima zu trüben: Die Festnahme des US-Investors Michael Calvey wirkte als Schock für Geschäftsleute in Russland, schließlich galt Calvey als einer der größten Fürsprecher Moskaus auf internationaler Ebene, sein Fonds Baring Vostok als einer der treuesten und erfolgreichsten in Russlandgeschäften. Der Einsatz der Strafverfolgungsbehörden bei einem an sich zivilrechtlichen Streit hat abschreckende Wirkung, erinnert er doch zu deutlich an die Risiken, mit denen Russland-Investments verbunden sein können.

Abbau bürokratischer Hürden

Dabei hat Moskau einiges getan, um sein Image aufzubessern. Bürokratische Hürden wurden abgebaut, Genehmigungsverfahren erleichtert. Die Korruption ist lange noch nicht ausgerottet, wird aber von westlichen Geschäftsleuten heute nicht mehr als ein so starkes Problem wahrgenommen wie in der Vergangenheit, wozu auch der verstärkte Einsatz elektronischer Kommunikations- und Hilfsmittel beigetragen hat. Beim Thema Internet und Mobilfunk ist Russland Europa teilweise voraus. Zudem bietet Russland traditionell ein hohes Ausbildungsniveau. Auch der niedrige Rubelkurs ist an sich günstig für einen Geschäftsaufbau in Russland.

Stattdessen haben sich Protektionsmaßnahmen der russischen Regierung zunehmend zum Hindernis entwickelt. Für erfolgreiche Geschäfte in Russland ist zudem die Kenntnis der Marktspezifik, der Landessprache und kultureller Unterschiede wichtig.

Beim Aufbau einer Geschäftspräsenz in Russland steht die AHK mit zahlreichen Angeboten und Dienstleistungen zur Verfügung.

Sonderwirtschaftszonen in Russland

Russland nutzt aktiv das Instrument der Sonderwirtschaftszonen, um Investitionen in Wirtschaftszweigen anzulocken, die Moskau für strategisch wichtig befindet. Residenten genießen zahlreiche Vergünstigungen, müssen aber bestimmte Bedingungen erfüllen.

Die Ansiedlung in einer Sonderwirtschaftszone bietet zahlreiche Vorteile: Die Infrastruktur ist meist schon gut ausgebaut, die Vermögens- und Gewinnsteuer sind entweder auf Null oder auf einen sehr geringen Prozentsatz abgesenkt. Teilweise gelten geringere Zollsätze für die Einfuhr von Anlagen, Maschinen und Ersatzteilen. Auch die Beschäftigung ausländischer Spezialisten ist durch vereinfache Visaregelungen erleichtert.

Derzeit gibt es in Russland 25 Sonderwirtschaftszonen (SWZ). Aufgeteilt sind sie in vier Typen: Industrieparks, in denen sich vor allem Produktionsbetriebe ansiedeln. Innovationsparks, die der forcierten Entwicklung bestimmter Technologien – wie Nano- und Biotechnologien, Elektronik oder IT – dienen. Hafenzonen, die von den durch Russland führenden internationalen Transitkorridoren profitieren sollen, und touristische Sonderwirtschaftszonen, in denen der Aufbau von Hotels und Infrastruktur gefördert wird.

Aus ökonomischer Sicht am wichtigsten ist die 2005 gegründete Industrie-SWZ Alabuga in Tatarstan, die mehr als die Hälfte der Gewinne und gut ein Drittel des Steueraufkommens aller russischen SWZ erwirtschaftet. Hier gibt es einen starken Automobilcluster, aber auch Betriebe aus der Lebensmittelbranche, der chemischen Industrie, oder dem Baugewerbe.

Insgesamt haben sich in den russischen SWZ mehr als 650 Unternehmen aus fast 40 Ländern angesiedelt, die mehr als 28.000 Menschen beschäftigen. Trotzdem hat sich die Schaffung der SWZ aus finanzieller Sicht für den russischen Haushalt nicht als besonders effizient erwiesen. So wurde zwischen 2006 und 2016 mehr als dreimal soviel in den Aufbau der SWZ investiert, als am Ende an Zoll- und Steuereinnahmen generiert wurden.

Weitere Informationen finden Sie bei der GTAI

Husmann liefert Anlagen für russische Abfallbetriebe

Husmann, einer der größten Anlagenhersteller für die Abfallwirtschaft in Europa ist bereits seit mehr als zehn Jahren auf dem russischen Markt vertreten. 2017 hat das Unternehmen mit der Lokalisierung seiner Produktion begonnen.

Müllsortieranlage in Russland (Foto: Husman)

Im Juli 2019 wurde im zentralrussischen Gebiet Iwanowo die zweite Ausbaustufe der Müllsortieranlage in Betrieb genommen. Zwei Jahre zuvor hatte der damalige Bauminister Michail Men persönlich den roten Knopf für den Start der Müllsortieranlage gedrückt, der ersten im Gebiet Iwanowo überhaupt. Das Lob heimste damals der regionale Operator ein, der die Anlage finanziert hatte und betreibt.

Doch auch Anlagenbauer Husmann darf sich seinen Anteil gutschreiben. Das Unternehmen hat die Fließbandsysteme, aber auch die Pressen für die Anlage mit einer Sortierkapazität von 250.000 Tonnen (in der ersten Ausbaustufe 150.000 Tonnen) pro Jahr zugeliefert. Seit 2017 hat sich durch den Betrieb der Anlage das Abfallaufkommen in der Deponie um 530.000 Kubikmeter verringert. Das sind gut 20 Prozent aller Abfälle, die in der Sortieranlage ankommen.

Produktion russischen Anforderungen angepasst

Die Müllsortieranlagen produziert das Unternehmen seit 2017 teilweise bereits in Russland, um besser die speziellen Anforderungen der Kunden, sei es in Bezug auf klimatische Verhältnisse oder die Zusammensetzung des Hausmülls, erfüllen zu können. Mit Erfolg: Russland ist der zweitgrößte Markt nach dem Heimatmarkt Deutschland für Husman.

Insgesamt ist der Umwelttechniker bereits seit 15 Jahren in Russland tätig und hat Konzernangaben nach in der Zeit 230 Projekte realisiert. Das Angebot reicht von Fließbändern und Transportsystemen für die Sortierung und Trennung, über Zerkleinerungsanlagen und Häcksler bis hin zu Pressen für die Verdichtung der Abfälle.

Neben dem Hauptsitz in Moskau unterhält Husman in Russland acht regionale Dealer mit eigenen Lagern, um neben dem Verkauf der Maschinen auch Ersatzteile und Wartung anbieten zu können.

Remondis trennt in Saransk

Deutsches Know-how in der russischen Provinz: In Saransk, ungefähr 500 Kilometer südöstlich von Moskau, entsorgt Remondis die Stadt. Durchaus erfolgreich, denn das Unternehmen plant bereits einen Ausbau der Kapazitäten.

Mülltrennung in Russland funktioniert! Zumindest in Saransk, Hauptstadt der russischen Teilrepublik Mordowien. Dort hat die Firma Remondis 2012 die Müllabfuhr und –entsorgung übernommen und innerhalb weniger Jahre die nötige Infrastruktur für die Sortierung geschaffen.

Inzwischen gibt es in der Großstadt fast in jedem Hof die Möglichkeit, Papier und Karton, Kunststoffverpackungen und PET-Flaschen getrennt zu entsorgen. 500 Wertstoffbehälter hat Remondis in Saransk aufgestellt. Gekennzeichnet sind sie mit einem gelben Deckel und zur Sicherheit steht auch noch einmal darauf, was reingehört. Wer den Deckel nicht öffnen will, kann seine Abfälle durch speziell eingelassene Löcher einwerfen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten – unter anderem wurden die Tonnen zunächst angezündet – wird die Mülltrennung nach Wertstoffen und Restmüll inzwischen von den Bewohnern gut angenommen.

Die Sortierung nach den drei oben genannten Kategorien erfolgt dann in einer Sortieranlage in Saransk. In die ursprünglich 2008 gebaute, aber nicht in Betrieb gegangene Anlage stellte Remondis in eine der Fabrikhallen ein eigenes Fließband zum Sortieren. Anschließend werden die getrennten Wertstoffe gepresst und zum Weiterverkauf abtransportiert.

Quelle: Remondis

Papierabfälle landen zur Wiederverwertung in einer Papierfabrik der benachbarten Region Pensa, Plastik geht in die Gebiete Moskau und Nischni Nowgorod. Anfang 2019 gab Remondis Pläne für eine eigene Fabrik zur Abfallverarbeitung bekannt. Die Investitionen bezifferte die Generaldirektorin von „Remondis Saransk“ Swetlana Bigesse auf umgerechnet 14 Millionen Euro. Die Fabrik soll 80 Prozent der in der Republik anfallenden Abfälle verarbeiten können. 40 Prozent davon werden zu technischem Untergrund oder Kompost verarbeitet, 30 Prozent zu Brennstoff, der an Zementfabriken geht, zehn Prozent der Abfälle werden recycelt und nur 20 Prozent sollen dann noch eingelagert werden.

Für „Remondis Saransk“ hat sich das Pilotprojekt bereits ausgezahlt. Seit 2018 ist die Tochter des deutschen Remondis-Konzerns als regionaler Operator auch für die Abfallbeseitigung in der gesamten Republik Mordowien verantwortlich.