Die Marktstruktur in Deutschland

Die Abfallwirtschaft hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftszweig und Arbeitgeber entwickelt. Seit der Zulassung privater Anbieter machen diese kommunalen Entsorgern ernsthaft Konkurrenz.

In Deutschland gibt es eine harte Konkurrenz zwischen kommunalen und privaten Entsorgungsunternehmen (Foto: Umweltbundesamt)

In Deutschland war die Entsorgung lange Zeit Aufgabe der öffentlichen Fürsorge. Städte und Gemeinden hatten eigene kommunale Unternehmen für die Abfallbeseitigung gegründet. Als Anfang der 90er Jahre das Duale System geschaffen wurde, stieg die Rolle privater Anbieter in der Abfallwirtschaft deutlich.

In der jüngsten Vergangenheit geht der Trend allerdings wieder zu den kommunalen Entsorgern. So ist die Anzahl der Gemeinden, die von kommunalen Entsorgern bedient werden, von 36 auf 46 Prozent gestiegen. Bei den Privathaushalten werden Untersuchungen zufolge gar 62 Prozent von den gebührenfinanzierten städtischen Betrieben entsorgt, da gerade Großstädte oft noch eigene Betriebe in der Branche unterhalten.

Mehr als 1.100 Sortier- und Aufbereitungsanlagen

Die Müllabfuhr ist aber erst der erste Schritt eines langen Wegs zur Wiederverwertung der Abfallressourcen. Eine wichtige Rolle im weiteren Prozess spielen die Sortieranlagen. Mehr als 1.100 Sortier- und Aufbereitungsanlagen gibt es in Deutschland. Darin werden aus Gewerbeabfällen und Hausmüll Wertstoffe wie Papier, Glas, Metall oder Kunststoffe für den weiteren Recyclingprozess herausgefiltert.

Bei der Verwertung von Elektroschrott hingegen sind Bayern und NRW mit einem Anteil von jeweils 21 Prozent der Zerlegeeinrichtungen gleichauf. Auf den Plätzen folgen hier Hessen (neun Prozent) und Baden-Württemberg (acht Prozent).

Gute Quoten bei Glas und Papier – Kunststoffverwertung ausbaufähig

Die Verwertung von Altpapier und Glas gelingt mit den vorhandenen Kapazitäten fast vollständig. So werden inzwischen 17 Millionen Tonnen Altpapier für die Papierproduktion eingesetzt. Das entspricht 75 Prozent. 2020 und 2021 sollen die Verarbeitungskapazitäten noch einmal um 1,5 und zwei Millionen Tonnen steigen.

Glas lässt sich ebenfalls leicht recyceln. Scherben werden deshalb von fast allen Glasproduzenten gern zur Neuherstellung von Glas genutzt. In Deutschland werden pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen Recyclingglas gesammelt, zumeist alte Flaschen und Gläser. Dieses Behälterglas wird nach Angaben des Umweltministeriums zu über 85 Prozent wiederverwendet. Dazu muss es aber nach Farben – Weiß- Braun- oder Grünglas – vorsortiert sein. Aber auch Altglas, das nicht dem nötigen Reinheitsgrad entspricht, kann wiederverarbeitet werden. Deutschlandweit gibt es dafür zehn Aufbereitungsanlagen.

Metalle sind ebenfalls begehrt und werden daher von der Industrie in großem Maßstab wiederverarbeitet. 750 Schredderanlagen und Schrottscheren und weitere 1.250 Demontagebetriebe für Altfahrzeuge kümmern sich darum, dass alte Autos, Waschmaschinen und Kühlschränke ein zweites Leben erhalten. Die meisten Anlagen stehen auch hier in NRW.

Beim Kunststoffrecycling hingegen sehen die Zahlen bescheidener aus. Hier gibt es weniger Anbieter. Dem Branchenreport der europäischen Plastikhersteller nach wurden 2017 etwas weniger als 40 Prozent der Verpackungsabfälle aus Kunststoff in Deutschland für eine Neuverwendung recycelt. Der Rest wurde zur Energieverwendung genutzt – sprich verbrannt.

Ganz ohne Müllverbrennung geht es auch in Deutschland nicht

68 Müllverbrennungsanlagen (MVA) mit einer Kapazität von 20 Millionen Tonnen gibt es in Deutschland. Daneben wird in Kohlekraftwerken und Industrieanlagen eine Müllmitverbrennung betrieben. Die Gesamtkapazität beläuft sich damit auf 25 Millionen Tonnen.

Ein wichtiges Recycle-Gut sind auch die Bioabfälle. Etwas mehr als 14 Millionen Tonnen Bioabfälle werden in Deutschland getrennt erfasst. Davon gehen 7,5 Millionen in die über 800 Kompostierungsanlagen in Deutschland, die daraus dann wieder Kompost und Torf für Landwirtschaft und Gartenbau herstellen. Stark gewachsen sind in den vergangenen Jahren die Kapazitäten bei der Vergärung von Bioabfällen: Inzwischen gibt es deutschlandweit rund 300 Vergärungsanlagen, die 6,6 Millionen Tonnen Bioabfälle verarbeiten und daraus Biogas und ebenfalls für die Landwirtschaft nutzbare Gärrückstände produzieren.