Geschichte der Abfallwirtschaft in Deutschland

Trennen, Sortieren, Verwerten. Der Dreiklang der modernen Abfallwirtschaft in Deutschland ist knapp 30 Jahre alt. Bevor Politik und Wirtschaft Abfälle als potenzielle Rohstoffe erkannten, ging es vor allem um die Beseitigung von Müll.

In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde der Müll in Hamburg noch mit Fuhrwerken entsorgt

Früher war es einfach: Was die Menschen nicht mehr brauchten, warfen sie aus dem Fenster. Essensreste, menschliche Exkremente und andere Abfälle landeten so auf den – zumeist noch unbefestigten – Gassen und wurden vom Regen aus der Siedlung gespült. Diese Art der Entsorgung bedeutete nicht nur für vorbeilaufende Passanten die reale Gefahr, den Schmutz an den Kopf geworfen zu bekommen, sie war auch völlig unhygienisch, lockte Ungeziefer an und wurde zur Keimzelle von Krankheitserregern.

Als nachher die Straßen gepflastert wurden, schafften sich die Städter Schweine an, damit der Müll sich nicht auf den Straßen stapelte. Die machten aber auch jede Menge Mist. Also gingen die Bürger schließlich im 19. Jahrhundert dazu über, den Unrat in Jauchegruben hinter ihrem Haus zu entsorgen, die dann von einem Fuhrmann geleert wurden, wenn sie voll waren. Der Unrat wurde dann vor die Stadt gekarrt und dort gelagert.

Unrat als Infektionsherd erkannt

Aus dieser Zeit stammen auch die ersten gesetzlichen Grundlagen dazu auf deutschem Gebiet. In mehreren Städten wurde der Zusammenhang zwischen den hygienischen Bedingungen und dem Ausbruch von Epidemien untersucht. In Lübeck beispielsweise setzte sich der bekannte Mediziner Jochim Emil Cordes nach dem mehrfachen Auftreten der Cholera für eine verbesserte Abwasserentsorgung und Trinkwasserversorgung ein, die dann im Ergebnis bei der Bekämpfung der Cholera auch Wirkung zeigten.

Da es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch keinen deutschen Einheitsstaat gab, blieben die Regelungen lokal oder regional isoliert. Immerhin die Methoden der Entsorgung wurden verfeinert: 1892 richtete Hamburg als erste deutsche Stadt eine Müllverbrennungsanlage ein. In Berlin wurde 1895 die Mülltonne erfunden und den Bürgern vom Polizeipräsidenten verordnet. „Haus- und Wirtschaftsabgänge, insbesondere Müll, Asche, Schlacken, Abraum, Schutt, Kehricht, Modder, Küchen- und Fleischabfälle, Knochen, Lumpen usw. dürfen auf der Straße nur in völlig undurchlässigen, geschlossenen Behältern transportiert werden“, heißt es in der amtlichen Anordnung.

Bis zu einer bundesweit einheitlichen Regelung dauerte es aber fast noch ein Jahrhundert. Erst 1972 erließ die Regierung das Abfallbeseitigungsgesetz. Bis dahin hatte sich die Abfallmenge deutlich erhöht, nicht nur die Haushalte, auch die Industrie produzierten jede Menge Abfälle, die nun geregelt auf Deponien entsorgt werden sollten, um Umweltgefahren zu mindern.

Schließung alter Müllhalden durch Recycling möglich

Wilde Müllhalden aus den früheren Jahrzehnten wurden geschlossen – und dann ließ man oft Gras drüber wachsen. 80.000 solcher Kippen soll es in Deutschland geben. Einige dieser inzwischen idyllisch anmutenden Hügel bergen freilich gefährliche Altlasten. Das 1999 in Kraft getretene Bundesbodenschutzgesetz sieht vor, verdächtige geschlossene Müllhalden zu untersuchen und notfalls wieder zu öffnen und zu entgiften.

Mit dem neuen Umweltbewusstsein in den 80er Jahren ging auch ein Paradigmenwechsel einher. Statt den Müll einfach nur zu beseitigen, sollten nun die in ihm lagernden Rohstoffe besser genutzt werden. Die Idee wurde mit der Einführung des Dualen Systems Anfang der 90er Jahre in die Realität umgesetzt. Neben der städtischen Reinigung, die weiterhin für die Entsorgung des Hausmülls zuständig ist, trat eine privatwirtschaftlich organisierte Entsorgung von Verpackungsabfällen. Die Implementierung nahm Zeit in Anspruch – auch im Denken der Bürger. Inzwischen wird aber mehr als die Hälfte der anfallenden Haushaltsabfälle auf diese Art wiederverwertet.