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Abfallwirtschaft in Deutschland

Bedeutung der Abfallwirtschaft für Umwelt und Klimaschutz

Die deutsche Abfallwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Die Verarbeitung von Wertstoffen mindert den Verbrauch von Primärrohstoffen und den Ausstoß von Treibhausgasen.

Recycling ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz von Ressourcen und zur Verringerung der Treibhausemissionen (Foto: stock.adobe.com)

Die Konsumgesellschaft hat eklatante Nebenwirkungen: Jeder Deutsche produziert jährlich mehr als 500 Kilogramm Abfall. Würde all dies unsortiert auf einem großen Müllberg landen; die Folgen für die Umwelt wären fatal. Dies ist am Beispiel alter Deponien noch gut zu erkennen, wo Giftstoffe wie Schwermetalle oder Chemikalien oft in den Boden gelangten, diesen genauso verseuchten wie das Grundwasser und damit im Endeffekt auch gesundheitsschädigend auf die Anwohner wirkten.

Verarbeitungsrate liegt bei über 50 Prozent

Inzwischen wird mehr als die Hälfte des Hausmülls verarbeitet. Vor allem Altpapier, Glas, Verpackungen und Bioabfälle kommen in die Wiederverwertung. Das senkt nicht nur die Abfallmenge, sondern spart auch Rohstoffe und Energie, die für die Herstellung neuer Erzeugnisse benötigt wird. Damit werden auch die klimaschädlichen CO2-Emissionen gesenkt.

Dem gleichen Zweck dient auch die energetische Nutzung der Restabfälle. Der Müll wird verbrannt und die bei der Verbrennung gewonnene Energie wird zur Wärme- und Stromversorgung genutzt. Somit werden fossile Brennstoffe eingespart.

Den aber wohl größten Beitrag zum Klimaschutz leistet die moderne Abfallwirtschaft in Deutschland, indem sie das Freisetzen von nicht nur stinkenden, sondern teils auch toxischen Deponiegasen vermeidet. Deponiegase entstehen bei der Zersetzung organischer Stoffe und haben große Anteile an Methan und Kohlenstoffdioxid. Dieses Methangas wird nach der Abfallablagerungsverordnung seit 2005 bundesweit aufgefangen und inzwischen ebenfalls zur Energiegewinnung genutzt.

Nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums entlastet die Abfallwirtschaft das Klima jährlich um 18 Millionen Tonnen Treibhausgase. Das entspricht dem Ausstoß von fast acht Millionen Fahrzeugen.

Geschichte der Abfallwirtschaft in Deutschland

Trennen, Sortieren, Verwerten. Der Dreiklang der modernen Abfallwirtschaft in Deutschland ist knapp 30 Jahre alt. Bevor Politik und Wirtschaft Abfälle als potenzielle Rohstoffe erkannten, ging es vor allem um die Beseitigung von Müll.

Ein Bild aus alter Zeit: So wurden früher Mülltonnen in Hamburg entsorgt (Foto: Stadtreinigung Hamburg)

Früher war es einfach: Was die Menschen nicht mehr brauchten, warfen sie aus dem Fenster. Essensreste, menschliche Exkremente und andere Abfälle landeten so auf den – zumeist noch unbefestigten – Gassen und wurden vom Regen aus der Siedlung gespült. Diese Art der Entsorgung bedeutete nicht nur für vorbeilaufende Passanten die reale Gefahr, den Schmutz an den Kopf geworfen zu bekommen, sie war auch völlig unhygienisch, lockte Ungeziefer an und wurde zur Keimzelle von Krankheitserregern.

Als nachher die Straßen gepflastert wurden, schafften sich die Städter Schweine an, damit der Müll sich nicht auf den Straßen stapelte. Die machten aber auch jede Menge Mist. Also gingen die Bürger schließlich im 19. Jahrhundert dazu über, den Unrat in Jauchegruben hinter ihrem Haus zu entsorgen, die dann von einem Fuhrmann geleert wurden, wenn sie voll waren. Der Unrat wurde dann vor die Stadt gekarrt und dort gelagert.

Unrat als Infektionsherd erkannt

Aus dieser Zeit stammen auch die ersten gesetzlichen Grundlagen dazu auf deutschem Gebiet. In mehreren Städten wurde der Zusammenhang zwischen den hygienischen Bedingungen und dem Ausbruch von Epidemien untersucht. In Lübeck beispielsweise setzte sich der bekannte Mediziner Jochim Emil Cordes nach dem mehrfachen Auftreten der Cholera für eine verbesserte Abwasserentsorgung und Trinkwasserversorgung ein, die dann im Ergebnis bei der Bekämpfung der Cholera auch Wirkung zeigten.

Da es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch keinen deutschen Einheitsstaat gab, blieben die Regelungen lokal oder regional isoliert. Immerhin die Methoden der Entsorgung wurden verfeinert: 1892 richtete Hamburg als erste deutsche Stadt eine Müllverbrennungsanlage ein. In Berlin wurde 1895 die Mülltonne erfunden und den Bürgern vom Polizeipräsidenten verordnet. „Haus- und Wirtschaftsabgänge, insbesondere Müll, Asche, Schlacken, Abraum, Schutt, Kehricht, Modder, Küchen- und Fleischabfälle, Knochen, Lumpen usw. dürfen auf der Straße nur in völlig undurchlässigen, geschlossenen Behältern transportiert werden“, heißt es in der amtlichen Anordnung.

Müllverbrennungsanlage ein. In Berlin wurde 1895 die Mülltonne erfunden und den Bürgern vom Polizeipräsidenten verordnet. „Haus- und Wirtschaftsabgänge, insbesondere Müll, Asche, Schlacken, Abraum, Schutt, Kehricht, Modder, Küchen- und Fleischabfälle, Knochen, Lumpen usw. dürfen auf der Straße nur in völlig undurchlässigen, geschlossenen Behältern transportiert werden“, heißt es in der amtlichen Anordnung.

Bis zu einer bundesweit einheitlichen Regelung dauerte es aber fast noch ein Jahrhundert. Erst 1972 erließ die Regierung das Abfallbeseitigungsgesetz. Bis dahin hatte sich die Abfallmenge deutlich erhöht, nicht nur die Haushalte, auch die Industrie produzierten jede Menge Abfälle, die nun geregelt auf Deponien entsorgt werden sollten, um Umweltgefahren zu mindern.

Schließung alter Müllhalden durch Recycling möglich

Wilde Müllhalden aus den früheren Jahrzehnten wurden geschlossen – und dann ließ man oft Gras drüber wachsen. 80.000 solcher Kippen soll es in Deutschland geben. Einige dieser inzwischen idyllisch anmutenden Hügel bergen freilich gefährliche Altlasten. Das 1999 in Kraft getretene Bundesbodenschutzgesetz sieht vor, verdächtige geschlossene Müllhalden zu untersuchen und notfalls wieder zu öffnen und zu entgiften.

Mit dem neuen Umweltbewusstsein in den 80er Jahren ging auch ein Paradigmenwechsel einher. Statt den Müll einfach nur zu beseitigen, sollten nun die in ihm lagernden Rohstoffe besser genutzt werden. Die Idee wurde mit der Einführung des Dualen Systems Anfang der 90er Jahre in die Realität umgesetzt. Neben der städtischen Reinigung, die weiterhin für die Entsorgung des Hausmülls zuständig ist, trat eine privatwirtschaftlich organisierte Entsorgung von Verpackungsabfällen. Die Implementierung nahm Zeit in Anspruch – auch im Denken der Bürger. Inzwischen wird aber mehr als die Hälfte der anfallenden Haushaltsabfälle auf diese Art wiederverwertet.