Abfallentsorgung in München

München hat keine Gelbe Tonne. Stattdessen geben die Münchner ihre Verpackungsabfälle in so genannten Wertstoffinseln ab. Das Konzept soll Ressourcen schonen und Treibhausemissionen senken. Doch es hat auch einige Nachteile.

Müllfahrzeug des Abfallwirtschaftsbetriebs München (Foto: muenchen.de)

Das Oktoberfest als Vorzeigeobjekt: Jedes Jahr zieht die Veranstaltung Millionen Besucher aus dem In- und Ausland an. Es wird gefeiert, gegessen und – noch mehr – getrunken. Der Umsatz liegt bei mehr als einer Milliarde Euro.

Die Kehrseite der Medaille: Die Besucher hinterlassen jede Menge Müll. Rund 1.000 Tonnen Abfall werden produziert. Immerhin: Gegenüber früheren Jahren wurde die Müllmenge pro Besucher deutlich verkleinert. Seit 1991 schon gibt es ein Verbot für Plastikgeschirr, Pappbecher und Getränkedosen. Ließ davor jeder Gast etwa zwei Kilo Restmüll zurück, sind es inzwischen laut Stadtverwaltung nur noch 160 Gramm. Ein deutlicher Fortschritt.

Zudem stellt das Tourismusamt zusammen mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) auf der Theresienwiese inzwischen Jahr für Jahr acht Papiercontainer, je zwei Sammelbehälter für brennbare Abfälle und Weißblech sowie jeweils acht Weiß- und Grünglascontainer auf, damit der Müll gleich vor Ort getrennt wird. Das funktioniert.

So einfach ist es für die Münchner ansonsten nicht, ihren Müll zu trennen. An den Hauseingängen stehen für gewöhnlich nämlich nur drei Tonnen des kommunalen Entsorgers AWM zur Verfügung. 2017 landeten dort nach Angaben des Betreibers 303.000 Tonnen Restmüll, 84.000 Tonnen Papier und 44.000 Tonnen Bioabfälle.

1000 Wertstoffinseln für Millionenstadt

Für die Entsorgung von Verpackungen sind in der bayrischen Landeshauptstadt Remondis und Wittmann verantwortlich. Ihnen hat die Stadtverwaltung rund 1.000 Plätze für Wertstoffsammelinseln zur Verfügung gestellt. Dort können die Bewohner Glas, Kunststoff und Metalle in die Container einwerfen. Laut Stadtverwaltung soll die zentralisierte Entsorgung den Unternehmen bei der Abholung Kraftstoff sparen und damit letztendlich auch die CO2-Emissionen senken. Dafür verlängert sich allerdings der Weg der Münchner selbst, wenn sie ihre Verpackungen loswerden wollen. Kritiker bemängeln, dass daher zuviel Plastik im Restmüll landet und sehen Verbesserungsbedarf.

Innovativ hingegen ist die Nutzung der organischen Reststoffe. Bei der Vergärung und Kompostierung in der Trockenfermentierungsanlage entstehen Biogas – das zu Ökostrom umgewandelt wird – und Kompost, der unter dem Siegel Münchner Erden an Gartenbetriebe in der Region weiterverkauft wird. Daneben unterhält die AWM in München noch zwölf Wertstoffhöfe, wo Bürger Sperrmüll, Problemstoffe (wie Batterien und Energiesparlampen), aber auch Grünschnitt abgeben können.

Bioabfallsammlung und –verwertung in München (Video Abfallwirtschaft München)

Insgesamt beläuft sich das Abfallaufkommen in der Millionenstadt laut AWM auf 564.000 Tonnen Abfall, die Recyclingquote liegt demnach bei 55 Prozent. Was nicht wiederverarbeitet werden kann, nutzt die AWM zur Energiegewinnung. Die Strom- und Wärmegewinnung aus Abfällen belief sich 2017 auf gut 960.000 Megawattstunden, der Bedarf von mehr als 300.000 Haushalten.

Müll ist in München sogar zum Wahlthema geworden: Vor der für 2020 geplanten Oberbürgermeisterwahl hat Amtsinhaber Dieter Reiter eine Initiative für Müllvermeidung gestartet. Die Stadtverwaltung will zunächst bei der Vergabe kommunaler Einkaufs-Aufträge die Abfallvermeidung zu einem Kriterium machen. Auf Dauer soll das Konzept aber auch auf Einzelhandel und Gastronomie ausgeweitet werden, um München zur „Zero-Waste-City“ zu machen.