Abfallentsorgung in Hamburg

Von der Müllverbrennung zum Recycling: Das Entsorgungssystem in Hamburg wird grunderneuert, um die Wiederverarbeitung von Abfällen auszubauen. Zudem können sich Hamburger per App über Müllvermeidung und nachhaltigen Einkauf informieren.

Müllgreifer im Einsatz (Foto: Stadtreinigung Hamburg)

Historisch gesehen war es lange Zeit eher schlecht um Hamburgs Abfallwirtschaft bestellt. Das geht nicht nur aus Beobachtungen von Zeitzeugen wie dem englischen Reisenden John Strang hervor, der Hamburg 1831 als „ungewöhnlich eng, dumpf und schmutzig“ charakterisierte, sondern auch aus den immer wieder ausbrechenden Epidemien in der Hansestadt wie Pest und Cholera, die auf die schlechte sanitäre Lage zurückzuführen war.

1896 zogen die Senatoren einen radikalen Schlussstrich und eröffneten in der Stadt die erste Müllverbrennungsanlage auf dem europäischen Kontinent. Damit schien das Müllproblem erst einmal aus der Welt und tatsächlich spielt die so genannte thermische Verwertung von Abfällen bis heute eine große Rolle in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. 2018 wurden nach Angaben der Hamburger Stadtreinigung (SRH), die als kommunales Unternehmen quasi eine Monopolstellung besitzt, rund 470.000 Tonnen der angefallenen 750.000 Hausmüll verbrannt.

Hamburg produziert mit Müll Energie

Immerhin wurden damit 1,5 Millionen Megawattstunden Strom und (vor allem) Wärme erzeugt. Das entspricht dem Jahresverbrauch von knapp 500.000 Privathaushalten. Laut SRH wurden damit zugleich rund 200.000 Tonnen an CO2-Emissionen eingespart.

Und doch ist diese recht einseitige Nutzung von Abfällen in der jüngsten Vergangenheit immer schärfer kritisiert worden und führte daher zu einer Revision der Müllpolitik in der Hansestadt, deren Erfolg sich erst in den nächsten Jahren zeigen wird.

So wird im Stadtteil Bahrenfeld am Standort der ehemaligen Müllverbrennungsanlage Stellinger Moor seit 2019 das Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) gebaut, ein modernes Abfallbehandlungszentrum, das durch die Kombination unterschiedlicher Verarbeitungsverfahren die Recyclingquote in Hamburg deutlich erhöhen soll. Das gut 300 Millionen Euro teure ZRE besteht aus fünf Teilanlagen.

Neue Sortieranlage soll Recyclingquote erhöhen

Für ein stärkeres Recycling soll eine Sortieranlage mit einer Kapazität von 140.000 Tonnen sorgen. Hier landet der größtenteils nicht vorsortierte Hausmüll aus dem Nordwesten Hamburgs, wo wegen der engen Bebauung die Aufstellung mehrerer Müllcontainer oft nicht möglich. Die Sortieranlage holt aus diesen Abfällen verkäufliche Wertstoffe wie Metalle, Glas und Kunststoffe. Im nächsten Schritt zieht das ZRE dann in einer Vergärungs- und Kompostierungsanlage bis zu 45.000 Tonnen Bioabfälle aus dem Müll, aus denen Biogas für das städtische Erdgasnetz gewonnen wird.

Innovativ zeigt sich die Stadtreinigung Hamburg mit dem Kaufhaus Stilbruch und der App „Zero Waste Map“. In drei Filialen bietet Stilbruch Second Hand Artikel an, die aus dem Sperrmüll oder bei Haushaltsauflösungen gerettet wurden. Die Handy App hingegen soll den Hamburgern helfen, weniger Abfälle zu produzieren. Aufgeführt sind beispielsweise Geschäfte, in denen Waren unverpackt eingekauft werden können, oder auch Tauschhäuser, wo Ungenutztes abgegeben und von anderen mitgenommen werden kann.